10. 08. 2015

Storytelling: Geschichten nutzbar machen

Gute Geschichten und Erzählungen sind viel mehr als das, da sie uns gleichsam unterrichten, uns Wissen vermitteln und uns die Möglichkeit geben nachzuvollziehen, wie es zu bestimmten Handlungen und Entscheidungen kam. Wenn Geschichten es also vermögen, uns auf unterhaltsame Weise Zusammenhänge zu erklären, wie kann man sie zu eben jenem Zweck im User Research nutzen?

Auf den ersten Blick scheint die Verknüpfung zielgerichteter Untersuchungen und locker-flockigem Geschichten erzählen nicht so recht funktionieren zu wollen. Obwohl es durchaus methodische Ansätze gibt, die umfassende Erzählungen als Grundlage ihrer Herangehensweise verwenden (z. B. narrative Interviews in der Biografieforschung), bleiben die Vorteile eines solchen Verfahrens im Rahmen des User Research zunächst nebulös. Auf den zweiten Blick offenbart das so genannte Storytelling jedoch enormes Potential: Nicht nur bei D-Labs wird Storytelling angewandt, um alle Projektbeteiligten umfassend zu informieren und kreatives Denken zu stimulieren. Auch in der qualitativen Forschung an sich scheinen Erzählungen und die Methode des Storytelling zunehmend im Trend zu liegen. Aber eines nach dem anderen.

STORYTELLING ALS ELEMENT IN DER WISSENSVERMITTLUNG

Denkt man an Geschichten, so fallen einem zumeist nur informelle Situationen ein, in denen wir sie erzählen oder ihnen lauschen: Im familiären Kontext, im Freundeskreis oder auch in der Mittagspause mit Kollegen. Immer hat irgendwer irgendetwas zu erzählen. Die besten Geschichten bleiben uns dabei in der Erinnerung und wir geben sie an andere weiter, weil sie besonders interessant, lustig oder auch tragisch sind. Und genau darin liegt das Potential von Geschichten, welches sie auch für den formellen Kontext, d.h. für projektbezogene Arbeit nutzbar macht: Wir denken über sie nach und sie bleiben uns nachhaltig im Gedächtnis.

WARUM ES MANCHMAL BESSER IST, DINGE NOCH EINMAL ZU ERZÄHLEN

Jeder kennt das: Es gibt Präsentationen, die man regelrecht über sich ergehen lassen muss. Da wird mit Zahlen, Fakten und Abkürzungen regelrecht um sich geworfen, was den Informationsgehalt fraglos in die Höhe schnellen lässt, jedoch wird dieser vom Publikum nicht aufgenommen. Wie hieß es früher in der Schule: “Macht Eure Vorträge anschaulich, benutzt Bilder!” - Wir benutzen Geschichten.

Gekonnt eingesetzt, können Geschichten dazu dienen, komplexe Inhalte und Zusammenhänge verständlich und anschaulich an Hand konkreter Beispiele zu erklären. In einigen Kulturen wurden Geschichten ohne schriftliche Fixierung von Generation zu Generation weitergegeben, ohne Informations- und Wissensverlust. Das können wir auch. Alle Welt mag Geschichten. Jeder ist ein potentieller Erzähler. Geschichten erlauben es uns, die Komplexität der Welt zu ordnen, scheinbare Unordnung zu überblicken und die wahren Zusammenhänge freizulegen. Die Aufnahme des im Rahmen von Storytelling vermittelten Wissens wird durch dessen anschauliche Präsentation also verbessert. Eine Geschichte ist dahingehend ein Sinnangebot, welches bereits geordnetes Wissen anbietet, das damit nachhaltig in der Erinnerung verbleibt (will man bei “Ich packe meinen Koffer” gewinnen, empfehle ich aus der Abfolge der Gegenstände eine Geschichte zu basteln).

STORYTELLING GESCHICHTEN 1

DER PROTAGONIST IST DER NUTZER

Auch vermeintlich festgefahrene Diskussionen über scheinbar unlösbare Problematiken können durch gezieltes Storytelling entspannt und der Blick für neue Lösungsansätze geschärft werden. Geschichten werden um Protagonisten herumgebaut. Produkte sollten für Nutzer entwickelt werden. Im Storytelling wird zunächst abstrakt wirkenden Problematiken ein menschliches Gesicht verliehen, was deren Lösung enorm vereinfacht. Dabei bleibt genau derjenige im Fokus, der in der Produktentwicklung gerne vergessen wird, für den man am Ende jedoch die ganze Anstrengung auf sich nimmt: Der Nutzer.

KOMMUNIKATION MIT MEHRWERT

Und damit nicht genug: Geschichten animieren den Zuhörer, vergleichbare Erfahrungen zu reflektieren und eigene Ideen zu entwickeln. Das Publikum wird gleichsam zu aktivem Zuhören animiert und dazu angeleitet, an Hand des konkret vorgetragen Beispiels kreative Lösungsansätze für etwaige Probleme zu finden. Storytelling fördert somit die allgemeine geistige Beteiligung und ermöglicht in diesem Sinne eine neue Qualität der Kommunikation.

STORYTELLING GESCHICHTEN 2

Kommunikation ist somit keine Einbahnstraße vom Sender einer Nachricht zu deren Empfänger. Sie ist ein Prozess, welcher im besten Fall dazu führt, dass sozialer und kommunikativer Raum für einen fruchtbaren Austauschprozess geöffnet wird, an dem alle Mitarbeiter beteiligt sind. Es ist genau diese Zielsetzung, die das Storytelling für die Projektarbeit so interessant macht und warum es bei D-Labs ein fester Bestandteil in der Projektbearbeitung ist. Durch die Vermittlung projektrelevanten Wissens mittels Storytelling werden allen am Projekt Beteiligten die Zusammenhänge anschaulich erklärt. Somit wird gemeinsames kreatives und zielgerichtetes Denken stimuliert und einseitig subjektiven Lösungen vorgebeugt.

ENDE GUT, ALLES GUT?

Ebenso wie dieser Blogeintrag zu einem (hoffentlich) guten Ende kommt, kann Storytelling an den richtigen Stellen in der Projektbearbeitung zu einem guten Projektabschluss beitragen. Mittels Storytelling wird relevantes Wissen anschaulich vermittelt und alle Projektbeteiligten in den Prozess mit einbezogen. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung für sich durch Innovation und Kreativität auszeichnende Untersuchungen, in denen aus einer Vielzahl an Ideen die beste Lösung entwickelt wird. Und genau die ist doch gleichbedeutend mit einem Happy End!

Für alle, die von Storytelling nicht genug bekommen können:
Methode Storytelling von D-LABS

Georg Eichhorn
von Georg Eichhorn
User Research

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